Orderzusätze

Anleger können vor dem Urlaub mit Orderzusätzen ihr Depot absichern. Kursverluste begrenzen, Gewinnchancen optimieren – alles ist möglich. MÄRKTE & ZERTIFIKATE stellt die wichtigsten Orders vor.

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Nicht jeder Anleger hat in seinen freien Tagen Lust, sein Depot täglich unter die Lupe zu nehmen, um etwa in fallenden Märkten Wertpapiere zu verkaufen oder bei steigenden Kursen rechtzeitig einzusteigen. Zugleich möchte wohl kaum jemand nach den Ferien böse Überraschungen erleben. Deshalb bieten sich aktuell sogenannte Orderzusätze an. Mit ihnen können Anleger quasi automatisch bestimmte Wertpapierkäufe und -verkäufe ausführen lassen. Und das ist nicht nur bei Aktien oder Anleihen, sondern auch bei Zertifikaten möglich. Wichtig ist es, dass sich Anleger dabei vorab Gedanken über ihre Depotstrategie machen, um den entsprechenden Ordertyp auszuwählen. Man kann sich bei seiner Depotbank und an den jeweiligen Handelsplätzen informieren, welche Auftragstypen im Einzelnen angeboten werden. Wir erläutern im Folgenden die wichtigsten Depotstrategien und die damit verbundenen Orderzusätze.

Verluste eingrenzen.

Der wohl bekannteste Verkaufsauftrag, den Anleger einsetzen, um Verluste zu begrenzen, nennt sich Stop-Loss. Damit legt man einen Kurs fest, zu dem automatisch eine Verkaufsorder erfolgen soll. Ein Beispiel: Ein Zertifikat notiert bei 100 Euro. Der Anleger erteilt eine Stop-Loss-Order bei 80 Euro. Sobald diese Kursmarke erreicht wird, wird der Verkaufsauftrag zum nächsten handelbaren Kurs ausgeführt. Zu welchem Preis dies genau geschieht, ist vorher aber nicht klar. Der tatsächliche Handelspreis ist noch nicht bekannt, weil die Order „bestens“ – und nicht zu einem festgelegten Kurs – ausgeführt wird. Beispielsweise kann es passieren, dass das Zertifikat für 79,90 Euro verkauft wird und nicht für exakt 80 Euro.

Market oder Limit.

Grundsätzlich gibt es zwei Typen von Orderzusätzen beim Kauf und Verkauf der Papiere: Market-Orders und Limit-Orders. Market-Orders werden zum bestmöglichen Kurs ausgeführt, die gewünschten Papiere also „billigst“ gekauft und „bestens“ verkauft. Anleger beauftragen somit ihre Direktbank, die Wertpapiere so günstig wie möglich zu kaufen oder so teuer wie möglich zu verkaufen. Allein, eine Market-Order bietet noch keine Garantie dafür, die Papiere zu einem Wunschpreis handeln zu können. Solche Orders werden sofort ausgeführt, zu welchem Kurs genau, ist vorab noch ungewiss.

Mit Limit-Orders hingegen geben Anleger eine Preis-Ober- beziehungsweise -untergrenze an, bis zu der ein Auftrag ausgeführt werden soll. Ein Beispiel: Ein vom Anleger ins Auge gefasstes Zertifikat notiert bei einem Verkaufskurs von 101 Euro. Über eine Limit-Order veranlasst er, dass der Kauf zu höchstens 100 Euro erfolgen soll. Fällt nun der Kurs des Zertifikats auf 100 Euro oder darunter, wird sein Auftrag ausgeführt. Umgekehrt kann der Anleger beim Verkauf des Papiers per Limit-Order angeben, dass sein Zertifikat zu mindestens 102 Euro verkauft werden soll. Der Nachteil bei Limit-Orders: Sollte der gewünschte Handelskurs innerhalb des angegebenen Zeitraums nicht erreicht werden, findet auch kein Handel statt. Investoren gehen deshalb immer das Risiko ein, dass Limit-Orders nicht ausgeführt werden. Anleger sollten sich bei ihrer Bank nicht nur erkundigen, welche Orderzusätze diese anbietet, sondern auch, welche Gebühren fällig werden.

Gewinne laufen lassen.

Darüber hinaus gibt es dynamische Trailing-Stop-Loss-Aufträge. Diese sichern Kursgewinne und ziehen die Stoppmarke nach oben. Zum Beispiel kann man bei einem Zertifikat, das bei 100 Euro steht, den Zusatz „Trailing Stop“ so angeben, dass die Stop-Loss-Marke immer 20 Prozent unterhalb des aktuellen Kurses liegen soll – dies ist der sogenannte Trailing-Abstand. Steigt nun der Kurs von 100 auf 110 Euro, wird die neue Stop-Loss-Marke von ursprünglich 80 auf 88 Euro nach oben gezogen. Sinkt hingegen der Zertifikatekurs, verharrt der Stop-Loss auf seinem zuletzt eingenommenen Niveau. Im Idealfall steigt das Absicherungsniveau dynamisch mit dem Marktpreis nach oben. Trailing-Stop-Loss-Aufträge können deshalb nicht nur Verluste begrenzen, sondern auch Gewinnchancen verbessern.

Auf den fahrenden Zug aufspringen

Für Anleger, die auf einen Kurstrend setzen möchten, könnte die Stop-Buy-Order interessant sein. Mit diesem Auftrag legen sie eine Kursmarke fest, die über dem aktuellen Zertifikatepreis liegt. Wird diese erreicht oder überschritten, erfolgt der Kaufauftrag zum günstigsten handelbaren Preis. Notiert also zum Beispiel ein Zertifikat bei 100 Euro, könnte man festlegen, dass man erst ab 105 Euro einsteigt. Der Begriff „Stop-Buy“ führt allerdings ein wenig in die Irre. Genau genommen müsste er eigentlich „Start-Buy“ heißen, weil man ab der gewählten Kursmarke einsteigt.

Eine andere beliebte Ordervariante nennt sich OCO (One Cancels the Other). Sie kombiniert zwei Aufträge. Wird einer der beiden ausgeführt, wird der andere gelöscht. So können Anleger eine Stop-Loss- und zugleich eine Verkaufsorder aufgeben. Beispiel: Das Zertifikat steht bei 100 Euro. Der Anleger gibt als Stop-Loss-Schwelle 80 Euro und als Verkaufsauftrag 120 Euro ein. Sollte der Kurs die Stop-Loss-Schwelle berühren, wird das Papier – wie oben beschrieben – automatisch verkauft. Sollte der Kurs des Zertifikats stattdessen steigen und die 120-Euro-Marke erreichen, wird die Position automatisch glattgestellt und der Gewinn realisiert. Je nachdem, welche Marke also als erste erreicht wird, kommt es zum Verkauf zum entsprechenden Preis und die andere Order wird gelöscht.

Eine andere Möglichkeit, Aufträge zu kombinieren, bietet der Zusatz „Next-Order“. Damit lassen sich bis zu drei Aufträge zu einer Kette verknüpfen. Sobald die erste Order vollständig ausgeführt ist, wird der zweite Auftrag automatisch weitergeleitet. Jeder Teil der Orderkette lässt sich unabhängig von Ursprungs- oder Folgeorder ändern. Wird eine Order gelöscht, führt dies zur automatischen Löschung aller nachfolgenden Orders. So lässt sich bei der Börse Stuttgart mithilfe der Next-Order eine limitierte Kauforder direkt mit einem Verkaufsauftrag für das gleiche Papier und in gleicher Stückzahl kombinieren. Geht der Anleger von steigenden Kursen aus, wählt er dabei ein entsprechend höheres Verkaufslimit. Behält er dann mit seiner Markterwartung recht, wird sein gesamtes Investment mit dem gewünschten Gewinn automatisch abgewickelt. Wer sich also ein Szenario zurechtlegt und es mit der Next-Order abbildet, braucht sich nicht mehr aktiv um seine Handelsstrategie zu kümmern.

Keine Garantie, aber es reicht ein Blick.

Im Urlaub nicht ständig die Börsenkurse zu checken kann durchaus dazu beitragen, abzuschalten und die Kraftreserven wieder aufzufüllen. Andererseits ist auch klar, dass Orderzusätze allein noch keine Garantie für den Erfolg beim Investieren sind. Es reicht aber schon ab und an ein kurzer Blick auf die Kurse, um zu sehen, ob die Sonne auch nach den Ferien noch scheint.