• Zinserhöhung

US-Zinserhöhung(en) voraus

Die US-Wirtschaft brummt – Anzeichen einer Überhitzung sind aber nicht zu erkennen. Weitere US-Zinserhöhungen dürften somit die logische Folge sein. Handelskonflikte und die flache Zinskurse in den USA bereiten jedoch Sorge.

An den Anleihemärkten wurde es auch in den vergangenen Wochen nicht langweilig. Die Rendite richtungsweisender 10-jähriger US-Staatspapiere kletterte wieder an die vielbeachtete Marke von 3,0 Prozent. Eine US-Zinserhöhung am 26. September scheint am Markt beschlossene Sache zu sein. Im Euroraum werden die Leitzinsen voraussichtlich noch über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau verweilen, weshalb die Schere zwischen US-Zinsen und Renditen im Euroraum weiter auseinanderklafft. Bei einer Rendite von 0,45 Prozent bei 10-jährigen Euro-Staatsanleihen ergibt sich aktuell eine Zinsdifferenz zu 10-jährigen US-Papieren von mehr als 2,5 Prozent, was weiterhin das höchste Niveau seit Einführung des Euro ist.

Zinserhöhung voraus.

In den USA dürfte auf der Zinssitzung am 26. September eine weitere Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf eine Bandbreite zwischen 2,00 und 2,25 Prozent beschlossen werden. Zumindest preist der Markt im Vorfeld einen solchen Zinsschritt mit einer Wahrscheinlichkeit von annähernd 100 Prozent ein. Es wäre bereits die dritte Leitzinsanpassung in diesem Jahr. Und auch die US-Notenbankmitglieder hatten im Protokoll der August-Sitzung zu verstehen gegeben, dass ein baldiger weiterer Zinsschritt angebracht sei. Ein Zinsschritt im September ist am Markt somit beschlossene Sache, weshalb sich der Fokus bereits auf die Dezember-Sitzung richtet.
Der Markt geht aktuell mehrheitlich davon aus, dass im Dezember ein weiterer Zinsschritt vorgenommen wird – die Wahrscheinlichkeit liegt auf Basis der an den Terminmärkten gehandelten Fed Fund Futures aktuell bei mehr als 80 Prozent. In Stein gemeißelt ist eine vierte Leitzinsanpassung in diesem Jahr damit aber noch nicht. Untermauert wird diese Einschätzung durch die jüngsten US-Inflationsdaten für August. Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im Vergleich zum Vormonat lediglich um 0,2 Prozent. Die Jahresteuerung fiel damit auf 2,7 Prozent, nachdem sie im Juli bereits 2,9 Prozent betragen hatte. Die Kerninflation (ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrung) fiel im August auf 2,2 Prozent, von zuvor 2,4 Prozent. Beide Werte liegen zwar weiterhin teils deutlich über der Zielmarke der US-Notenbank von 2,0 Prozent. Zieht die Inflation jedoch nicht weiter an, könnten es die US-Währungshüter künftig etwas ruhiger angehen lassen, was weitere Zinserhöhungen angeht.

Keine Anzeichen einer Überhitzung.

Zieht man die Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell beim diesjährigen Treffen der Notenbanker im amerikanischen Jackson Hole Ende August hinzu, dürfte ein vierter Zinsschritt im Dezember durchaus realistisch sein. Powell versicherte seinen Zuhörern, dass er weiterhin zwischen dem Risiko, die Zinsen zu rasch zu erhöhen und damit die wirtschaftliche Expansion abzuwürgen, und der Gefahr, sich zu langsam zu bewegen und damit eine destabilisierende Überhitzung der US-Wirtschaft zu riskieren, abwäge. Die US-Wirtschaft sei zuletzt zwar weiter erstarkt, doch sehe er derzeit keine Anzeichen einer Überhitzung. Powell stellte daher weitere schrittweise Zinserhöhungen in Aussicht.
Allerdings brachte das Protokoll der August-Sitzung auch die Sorgen einiger Notenbankmitglieder über die möglichen Folgen von Handelskriegen zum Vorschein. Angesichts der Komplexität der Handelsproblematik und ihrer möglichen Auswirkungen auf Wirtschaftsleistung und Inflation könnte eine weitere Eskalation der Handelskonflikte die US-Notenbank vor Herausforderungen stellen, war im Protokoll zu lesen. Auch der mittel- bis langfristige Ausblick für die US-Wirtschaft bereitet einigen Notenbankern Sorge. Vor allem die aktuell flache Zinskurve wird als Warnsignal interpretiert. Geringe Zinsdifferenzen zwischen kurz- und langlaufenden Staatspapieren, wie wir sie derzeit sehen, deuten häufig auf Rezessionsgefahren hin. Aktuell liegt die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jährigen US-Staatsanleihen bei 20 Basispunkten, was das niedrigste Niveau seit mehr als 20 Jahren ist.

EZB bleibt vorsichtig.

Während die US-Notenbank auf der September-Sitzung die Leitzinsen aller Voraussicht nach zum achten Mal seit Dezember 2015 anheben wird, steuert die Europäische Zentralbank (EZB) weiter mit Trippelschritten auf ein Ende ihrer extrem lockeren Geldpolitik zu. Auf der Sitzung am 13. September kündigte sie plangemäß die Halbierung ihrer monatlichen Anleihekäufe ab Oktober auf 15 Milliarden Euro an. Ein finales Ende des vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihekaufprogramms wurde erneut nicht verkündet. Das Programm soll weiterhin zum Jahresende eingestellt werden, jedoch ließen sich die Euro-Währungshüter eine Hintertür offen und knüpfen ein tatsächliches Ende unverändert an die Bedingung, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein endgültiges Auslaufen auch zulassen. An ihren Zinsplänen änderte die EZB nichts – die Leitzinsen sollen weiterhin bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent verweilen.
EZB-Präsident Mario Draghi lässt sich mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik also weiterhin viel Zeit. Vor allem beim Thema Zinswende scheint er sich nicht die Finger verbrennen zu wollen wie beispielsweise sein Vorgänger Jean-Claude Trichet. Dieser erhöhte gegen Ende seiner Amtszeit im April und Juli 2011 die Leitzinsen zweimal in Folge um 25 Basispunkte von 1,0 auf 1,5 Prozent, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte. Draghis erste Amtshandlung im November 2011 als neuer EZB-Chef war es dann, die Zinsen wieder zu senken; zunächst um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent. Es folgten acht weitere Zinsanpassungen, bis die Zinsen im März 2016 das Niveau erreichten, auf dem sie nach wie vor verweilen. Draghi dürfte aus dieser „zu frühen Zinserhöhung“ seines Vorgängers gelernt haben.

EZB senkt Wachstumsprognosen.

Allerdings kamen mit der Italienkrise, den Krisen in einigen Schwellenländern wie beispielsweise in der Türkei sowie den globalen Handelsstreitigkeiten zuletzt neue Brandherde hinzu. Daher sahen sich die Notenbankmitglieder dazu veranlasst, ihre Wachstumserwartungen für die Wirtschaft im Euroraum für dieses und das kommende Jahr leicht zu revidieren. Nun sehen die Projektionen der Euro-Wächter ein Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 2,0 Prozent und für 2019 von 1,8 Prozent vor. Damit wurden die vorherigen Einschätzungen jeweils um 0,1 Prozentpunkte gesenkt. Für 2020 geht die EZB unverändert von einem Wachstum von 1,7 Prozent aus. Bei den Projektionen für die Inflation blieben die Ratsmitglieder unverändert bei Jahresraten von 1,7 Prozent jeweils für die Jahre 2018 bis 2020.
Ins Bild passen hier die jüngsten Daten für August. Die Verbraucherpreise in der Eurozone zogen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,0 Prozent an. Im Juli lag die Teuerungsrate zwar bereits bei 2,1 Prozent, doch bewegt sich die Inflation weiterhin im Zielbereich der EZB, die bei jährlichen Preissteigerungsraten von unter, aber nahe 2,0 Prozent von Preisstabilität spricht. Somit erscheint eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen baldigen Zinsschritt bereits erfüllt. Wie wichtig Preisstabilität für den EZB-Präsident ist, wurde auf der Pressekonferenz nach der September-Sitzung deutlich. Eine Journalistin kritisierte, dass Italien nach dem Auslaufen des Kaufprogramms im nächsten Jahr allein den „Attacken der Finanzmärkte“ ausgesetzt sei. Darauf erwiderte Draghi, dass die EZB der Preisstabilität und nicht der Finanzierungsfähigkeit einzelner Mitgliedstaaten verpflichtet sei. Aktuell ist es schwer vorstellbar, dass die EZB die Zinsen im Herbst 2019 anheben wird. Denn Zinsen werden in der Regel bei Inflationsdruck angehoben. Aber diesen sehen die EZB-Mitglieder in diesem und in den kommenden beiden Jahren nicht, denn sie gehen bei ihren Projektionen bis 2020 weiterhin von einer stagnierenden Inflationsrate von 1,7 Prozent aus.

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Datum und Uhrzeit der ersten Verbreitung der Empfehlung: 28.09.2018 11:00 Uhr

 

By Olaf Hordenbach| 28. September 2018|