Firmeninsider langen bei eigenen Aktien kräftig zu – mit Erfolg

Der vergangene Dezember ging als einer der schlechtesten Börsenmonate in die Geschichte ein. Allein der DAX verlor in den letzten vier Wochen des vergangenen Jahres mehr als sechs Prozent und beendete 2018 beinahe am Jahrestief. Ausgerechnet in dieser schwierigen Marktphase griffen Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte bei Aktien des eigenen Unternehmens beherzt zu. Laut einer Auswertung des Handelsblatts gab es gegen Ende vergangenen Jahres so viele Aktienkäufe von Führungskräften wie zuletzt inmitten der Finanzkrise.

In der EU-Marktmissbrauchsverordnung ist klar geregelt, dass es Anlegern nicht verborgen bleiben soll, wenn eine Person, die innerhalb eines Unternehmens mit Führungsaufgaben betraut ist, mit Finanzinstrumenten handelt, die das Unternehmen selbst begeben hat (zum Beispiel Aktien oder Anleihen). Insbesondere Mitglieder der Geschäftsführung und des Aufsichtsorgans eines Unternehmens sowie alle anderen Personen, die regelmäßig Zugang zu Insider­informationen haben und zugleich wesentliche unternehmerische Entscheidungen treffen, müssen Eigengeschäfte innerhalb von drei Geschäftstagen melden – und zwar sowohl dem eigenen Unternehmen als auch der zuständigen Behörde, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin). Die Meldepflicht gilt auch für Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, unterhaltsberechtigte Kinder und andere Verwandte, die seit mindestens einem Jahr demselben Haushalt angehören.

Die Käufe und Verkäufe der Insider lassen interessante Rückschlüsse zu. Schließlich kennen die Firmenlenker ihre Unternehmen besonders gut und lassen sich nicht von kurzfristigen Marktschwankungen verunsichern. Sie kaufen, wenn sie ihre Aktien für besonders unterbewertet halten. Wissenschaftliche Untersuchungen des deutschen Kapitalmarkts, zum Beispiel der Frankfurter Hochschule für Bankwirtschaft, der Universität Zürich und des unabhängigen Analysehauses GBC, deuten darauf hin, dass die Unternehmens­insider mit ihren Transaktionen besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Diesen Zusammenhang können sich auch Anleger zunutze machen – indem sie die Transaktionen der Manager nachbilden. Die BaFin stellt auf ihrer Homepage eine Datenbank mit allen gemeldeten und veröffentlichten Directors‘ Dealings zur Verfügung. Auch von vielen Internet-Finanzseiten werden die Meldungen aufbereitet. Zumindest kurzfristig scheinen die Unternehmensinsider mit ihren jüngsten Käufen richtig zu liegen: Die Aktienmärkte starteten mit kräftigen Kursgewinnen ins neue Jahr.

Abbildung Autor Christian Scheid

Für einen Zeitraum von vier Wochen schreibt immer ein anderer erfahrener Autor die Aufmacher-Geschichte in Märkte & Zertifikate weekly.
Diesmal: Christian Scheid
Der freie Wirtschafts- und Finanzjournalist schreibt für deutsche und österreichische Fachmagazine – unter anderem für das Anlegermagazin Der Aktionär und als Chefredakteur der beiden Zertifikate-Newsletter Zertifikate // Austria und ZertifikateJournal.