Trotz Konjunktursorgen attraktive Investmentstrategien mit Chemie-Aktien

Nach einem Rückschlag im vierten Quartal 2018 haben sich die Aussichten der deutschen Chemieindustrie, der drittgrößten Industriebranche in Deutschland, für das Jahr 2019 weiter verdüstert. Der Verband der chemischen Industrie (VCI) erwartet angesichts der langen Liste der geopolitischen Risiken einen deutlichen Produktionsrückgang in Höhe von rund 3,5 Prozent.

Trotz der eingetrübten Geschäftsaussichten zeigt sich bei näherer Analyse der Fundamentaldaten eine interessante Investmentstory. Die Sorgen um den Konjunkturverlauf haben nämlich die Vorstände der Chemieunternehmen bereits vor Monaten alarmiert und zum Handeln bewegt. Um ihre Unternehmen auch in einem schwieriger gewordenen Umfeld auf Profitabilität zu trimmen, setzen sie alles daran, sich von Sparten jenseits der jeweiligen Kerngeschäfte zu trennen. Das sind gute Nachrichten für Anleger, denn die Fokussierung auf Kernbereiche erhöht in der Regel die Gewinnmarge von Unternehmen. Außerdem können die frei werdenden Mittel wie schon zuletzt für Aktienrückkäufe und zusätzliche Dividenden verwendet werden. Das liest sich zwar nicht wie eine Wachstumsgeschichte, sollte aber die Kurse unterstützen.

Weitere Rückendeckung erhalten Chemie-Aktien durch die jüngere Kurshistorie. Der Branchenindex DAXSector Chemicals hat in den vergangen zwölf Monaten rund zehn Prozent nachgegeben und ist damit deutlich schwächer als der Gesamtmarkt gelaufen. Insofern besteht Grund zu der Annahme, dass die eingetrübten Geschäftsaussichten bereits weitestgehend in den Kursen verarbeitet worden sind. Im Übrigen zeigt die Indexentwicklung nicht die ganze Wahrheit. Denn einzelne Titel des 13 Aktien umfassenden Index haben im gleichen Zeitraum 20 Prozent und mehr, in der Spitze rund 40 Prozent, abgegeben. Schließlich spricht eine höchst attraktive Dividendenrendite dafür, dass Chemie-Aktien das Tal der Tränen bereits weitestgehend durchschritten haben. Auf Basis der für 2019 erwarteten Dividenden errechnen sich für einzelne Titel unter Berücksichtigung der aktuellen Kurse Renditen von bis zu fünf Prozent. Dividendenjäger dürften bei jeder sich abzeichnenden Kursschwäche zugreifen und so für einen zusätzlichen Sicherheitspuffer sorgen.

Insgesamt zeichnet sich daher in den kommenden sechs bis zwölf Monaten für die Aktien der deutschen Chemieindustrie ein klassisches Seitwärts-/Aufwärtsszenario ab. Discount- und Bonuszertifikate auf Chemie-Aktien bieten attraktive Konditionen und zeigen gerade für risikobewusste Anleger interessante Anlagechancen auf.

Abbildung Autor Christian Scheid

Für einen Zeitraum von vier Wochen schreibt immer ein anderer erfahrener Autor die Aufmacher-Geschichte in Märkte & Zertifikate weekly.
Diesmal: Holger Bosse.
Mit rund 20 Jahren Berufserfahrung im Investmentbanking, die meiste Zeit davon im Derivatebereich, kennt Holger Bosse das Börsengeschäft aus dem Effeff. Seit 2011 arbeitet er freiberuflich als Autor und Seminarleiter für Kapitalmarkttheorie.