Erholung der Lira könnte womöglich nur von kurzer Dauer sein

Um es kurz zu machen: Die türkische Wirtschaft und somit auch die Türkische Lira sind noch nicht über den Berg. Zwar hat sich die Lira von ihrem Crash im vergangenen Jahr wieder erholt – 2018 wertete die türkische Währung zum US-Dollar um rund 28 Prozent und zum Euro um etwa 24 Prozent ab –, doch die Lage am Bosporus bleibt angespannt. Eine große Sorge: Um die Wirtschaft zu beflügeln, senkt die türkische Notenbank den Leitzins wieder zu früh.

Inflation und Wirtschaft verlieren an Fahrt

Der Reihe nach: Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der türkischen Notenbank und ein angespanntes Verhältnis zwischen Ankara und Washington haben die Lira 2018 kräftig unter Druck gesetzt und die Inflation zwischenzeitlich auf über 25 Prozent ansteigen lassen. In der Hochphase der Krise hat die Notenbank den Leitzins – Experten zufolge zu spät – kräftig angehoben auf aktuell 24 Prozent. Auch aufgrund der restriktiveren Geldpolitik hat die galoppierende Inflation an Fahrt verloren, im Dezember stiegen die Verbraucherpreise „nur“ noch um 20,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Auf der anderen Seite hinterlassen die höheren Zinsen auch beim Wachstum Spuren. Einige Experten wie die Ratingagentur S&P schließen für das laufende Jahr auch eine Rezession nicht aus. Für die Lira ist das keine gute Prognose. Und: Sollte die Notenbank deswegen wieder einen expansiveren Kurs einschlagen, wären die Tage einer Lira-Erholung wohl gezählt.