Die DAX-Indexfamilie steht vor der nächsten Anpassung

Die Zusammensetzung von Aktienindizes ist nicht in Stein gemeißelt, sondern sie unterliegt einer regelmäßigen Überprüfung. Die DAX-Indexfamilie wird quartalsweise überprüft und es wird, sofern die Indexregeln das erfordern, die Zusammensetzung angepasst. Die ausschlaggebenden Kriterien für Aufnahme in oder Ausschluss aus einem der jeweiligen DAX-Indizes sind die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien und die Höhe der Börsenumsätze. Am meisten Beachtung finden dabei der Leitindex DAX mit denjenigen 30 deutschen Unternehmen, die die Ranglisten der beiden Kennziffern anführen, sowie der MDAX. Hier finden sich die nachfolgenden 60 Unternehmen. Am kommenden Mittwoch ist der nächste Termin für die Überprüfung der Indizes.

Im DAX ist ein Abstieg der Aktien von ThyssenKrupp so gut wie sicher. Ende Juli lag der Titel bei der Marktkapitalisierung nur auf Platz 42. Die Regeln besagen aber, dass für einen Verbleib im Index mindestens Rang 40 erreicht werden muss. Wer die Nachfolge antreten wird, ist offen. Das Rennen wird wohl zwischen dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen und dem Triebwerkshersteller MTU Aero Engines entschieden. Im MDAX ist eine erste Entscheidung aufgrund einer außerordentlichen Anpassung bereits gefallen. Axel Springer muss aufgrund eines zu geringen Streubesitzes den Index verlassen. Dafür steigt der IT-Dienstleister Cancom vom SDAX in den MDAX auf.

Die Anpassung eines Aktienindex ist im Börsengeschehen nicht etwa nur eine Randnotiz, sondern oft ein kursbewegendes Ereignis. Das liegt daran, dass passive Fonds, die Indizes replizieren, natürlich  die Anpassungen nachvollziehen müssen. Solche Fonds verkaufen daher die Aktien, die den Index verlassen, und kaufen im Gegenzug diejenigen, die neu aufgenommen werden. Aber auch aktiv gemanagte Fonds, die sich bei der Wertentwicklung an einem Index messen lassen, sehen sich oft zum Handeln gezwungen. Da zurzeit allein in Indexfonds auf den DAX deutlich mehr als 10 Milliarden Euro in investiert sind, werden bei solchen Umschichtungen große Aktienbestände gehandelt, die die Kursentwicklung der betroffenen Aktien beeinflussen können. Um Marktverwerfungen zu vermeiden, liegt allerdings zwischen der Bekanntgabe der neuen Zusammensetzung und dem Verkettungstermin des alten mit dem neu zusammengestellten Index ein Zeitraum von zwei Wochen, in dem die Fonds die notwendigen Umschichtungen vornehmen können. Oft kommt es jedoch schon im Vorfeld eines Anpassungstermins zu Spekulationen, die die Kurse in die eine oder andere Richtung treiben können.