Bonus Calls sind auf den ersten Blick ausgesprochen komplexe Hebelprodukte. Wenn man jedoch einmal verstanden hat, aus welchen „Bausätzen“ dieses Hebelprodukt zusammengesetzt ist, klären sich viele Fragen und das Produkt wird wesentlich transparenter.

So entsteht ein Bonus Call

Zunächst sollte kein Zweifel daran bestehen, dass das Grundgerüst eines Bonus Calls ein herkömmlicher Call Optionsschein ist. Das lässt sich schnell erklären: Bei Erlöschen der Zusatzchance entspricht der Auszahlungsbetrag am Laufzeitende immer dem eines herkömmlichen Call Optionsscheins. Gleiches gilt, sofern die Differenz aus Referenzpreis und Basispreis höher ist als die Differenz aus Bonuskurs und Basispreis. In den beiden Extremszenarien, also bei stark gefallenen oder stark gestiegenen Kursen des Basiswertes, entspricht somit der Auszahlungsbetrag am Laufzeitende dem eines herkömmlichen Call Optionsscheins. Somit bleibt nur noch zu klären, wie der Auszahlungsmodus zwischen diesen beiden Extremszenarien abgebildet wird.

Betrachten wir die Referenzpreise an der Grenze der positiven Extremsituation, wenn also der Basiswert auf der Höhe des Bonuskurses notiert. Ab dieser Stelle bleibt der Auszahlungsbetrag konstant, auch wenn der Kurs des Basiswertes fällt. Welches Hebelprodukt erwirtschaftet positive Auszahlungsbeträge bei fallenden Kursen eines Basiswertes? Der Put! Genau so ist es auch bei Bonus Calls. Ab dem Bonuskurs sorgt eine zusätzliche Put Option für die Finanzierung des Betrags, der nötig ist, um die Differenz zwischen dem Mindestbetrag (Bonuskurs – Basispreis) und dem niedrigeren Auszahlungsbetrag des Call Optionsscheins (Referenzpreis – Basispreis) zu decken. Dieser Put hat einen Basispreis in Höhe des Bonuskurses und natürlich die gleiche Laufzeit wie der Call. Jeder Euro, den der Referenzpreis unter dem Bonuskurs notiert, wird durch den
Auszahlungsbetrag des Puts am Laufzeitende ausgeglichen. Liegt der Referenzpreis über dem Basispreis, so verfällt der Put natürlich wertlos.

Zeitwertgewinn, Zeitwertverlust

Die Laufzeit hat neben der Kursentwicklung des Basiswertes einen entscheidenden Einfluss auf den Preis von Bonus Calls. Bei herkömmlichen Call Optionsscheinen gilt die Regel: je länger die Laufzeit, umso höher der Preis, und umgekehrt: je kürzer die Laufzeit, umso niedriger der Preis. Daraus folgt, dass der Zeitwert zum Ende der Laufzeit gegen null läuft und herkömmliche Optionsscheine einem Zeitwertverlust unterliegen. Wir haben das in dem Abschnitt über die Optionsscheine bereits eingehend erklärt. Das gilt in dieser Ausschließlichkeit jedoch nicht für Bonus Calls, da gegen Ende der Laufzeit, sofern der aktuelle Kurs des Basiswertes in der Nähe der Barriere notiert, Szenarien für einen Zeitwertgewinn entstehen können. Wir möchten das an zwei Beispielen erklären:

Beispiel Zeitwertgewinn:
Die A&A Aktie notiert ein paar Tage vor Fälligkeit des Bonus Calls bei 10,50 Euro. Dieser hat einen Basispreis und eine Barriere in Höhe von 10 Euro, der Bonuskurs liegt bei 12 Euro. Aufgrund der sehr kurzen Laufzeit ist es unwahrscheinlich, dass der Kurs des Basiswertes bis zum Bewertungstag den Bonuskurs überschreite