Hintergrundwissen zu Reverse Bonus-Zertifikaten

Die erste Frage, der wir nachgehen möchten, ist, wie das besondere Auszahlungsprofil von Reverse Bonus-Zertifikaten zustande kommt. In diesem Zusammenhang klären wir auch, was mit den Dividenden passiert, die der Basiswert gegebenenfalls während der Laufzeit ausschüttet. Zu guter Letzt erörtern wir die Preisbildung von Reverse Bonus-Zertifikaten während der Laufzeit.

So entsteht ein Reverse Bonus-Zertifikat

Wenn wir einmal den Bonusmechanismus während der Laufzeit außer Acht lassen, dann entspricht die Kursentwicklung des Reverse Bonus-Zertifikates der einer Verkaufsoption, in der Finanzsprache „Put“ genannt. Ein Put zahlt dem Anleger am Laufzeitende die positive Differenz zwischen dem (höheren) Basispreis und dem (niedrigeren) Kurs des Basiswertes. Bei Reverse Bonus-Zertifikaten entspricht der Reverse Kurs dem Basispreis des Puts. Deswegen geht der Anleger leer aus, wenn der Referenzpreis am Laufzeitende über dem Basispreis notiert. Der Grundbaustein eines Reverse Bonus-Zertifikates ist also ein Put, dessen Basispreis in Höhe des Reverse Kurses liegt. Die schwierigere Frage ist, wie der Bonusmechanismus zustande kommt.

Bei welchem Referenzpreis entspricht die Differenz zwischen Reverse Kurs und eben diesem Referenzpreis dem Bonusbetrag? Bei 30 Euro, weil 100 minus 30 exakt 70 ergibt. Wie wird nun erreicht, dass auch bei höheren Referenzpreisen 70 Euro gezahlt werden können? Ganz einfach: Es wird eine Kaufoption, ein „Call“ ergänzt, der einen Basispreis von 30 Euro hat. Jeden Euro, den der Put mit einem Basispreis von 100 Euro weniger verdient als 70 Euro, weil der Referenzpreis über 30 Euro notiert, erwirtschaftet der Call mit einem Basispreis von 30 Euro.

Was passiert beispielsweise bei einem Referenzpreis von 40 Euro? Nun, der Put verdient 60 Euro, weil 100 minus 40 exakt 60 ergibt. Und der Call? Der verdient 10 Euro, weil die Differenz zwischen 40 und 30 exakt 10 ergibt. Das macht zusammen 70 Euro, exakt unseren Bonusbetrag.

Bleibt eine letzte Frage: Warum erlischt dieser Mechanismus, wenn die Barriere verletzt wurde? Das liegt daran, dass der Call ab einem bestimmten Kurs des Basiswertes, nämlich genau auf Höhe der Barriere, erlischt. Diese Variante eines Calls nennt sich „Up and out Call“ oder auch „Knock-out Call“.

Wir können somit zusammenfassen: Ein Reverse Bonus-Zertifikat besteht aus einem Put auf den Basiswert mit einem Basispreis in Höhe des Reverse Kurses und einem Knockout Call auf den Basiswert mit einem Basispreis in Höhe der Differenz zwischen Reverse Kurs und Bonusbetrag und einem Knock-out in Höhe der Barriere. Überflüssig zu sagen, dass beide Optionen eine Laufzeit bis zum Bewertungstag haben.

Dividenden

Was ist nun mit den Dividenden? Da der Grundbaustein des Reverse Bonus-Zertifikats nicht der Basiswert, sondern ein Put auf den Basiswert ist – quasi die „negative“ Position des
Basiswertes–, erhält der Emittent auch keine Dividenden während der Laufzeit. Insofern gibt es auch keine Dividenden, die dem Anleger entgehen und zur Finanzierung der  Optionskomponente beitragen könnten.

Die Preisbildung

Verschiedene Faktoren spielen bei der Preisbildung von Reverse Bonus-Zertifikaten eine
Rolle. Dabei sollten Sie berücksichtigen, dass die isolierte Betrachtung einzelner Preis bildender Faktoren immer nur zu der Aussage führen kann, dass sich etwas „Wert steigernd“ oder „Wert mindernd“ auswirkt. Letzten Endes kommt es für die tatsächliche Preisentwicklung während der Laufzeit auf die Summe aller Preis bildenden Faktoren an.

1. Veränderungen des Kurses des Basiswertes
Ein fallender Kurs des Basiswertes wirkt sich Wert steigernd, ein steigender Wert mindernd auf den Preis eines Reverse Bonus-Zertifikates aus. Das erklärt sich aus dem Auszahlungsprofil des Puts.

2. Laufzeit
Der Ablauf der Laufzeit bis hin zum Laufzeitende wirkt sich Wert steigernd aus, sofern der Kurs des Basiswertes nicht allzu weit von der Barriere entfernt notiert. Das liegt daran, dass mit Ablauf der Restlaufzeit auch das Risiko eines „Knock-outs“, also eines Erlöschens des Bonusmechanismus, geringer wird. In einem solchen Szenario steigt der Wert des Knock-out Calls. Etwas anderes gilt, wenn der Kurs des Basiswertes sehr viel niedriger notiert als die Barriere und das Risiko eines Knock-outs aufgrund der Distanz zur Barriere sehr gering ist. Dann kommt der „normale“ Zeitwerteffekt von Optionen zum Tragen, dass nämlich der Zeitwert von Optionen mit Ablauf der Restlaufzeit fällt. In einem solchen Szenario führt der Ablauf der Restlaufzeit zu einem Wert mindernden Effekt.

3. Erwartete Kursschwankungen
Wie die Laufzeit kann auch eine Änderung der erwarteten Kursschwankungen beides bewirken: einen Wert steigernden, aber auch einen Wert mindernden Effekt. Notiert der Kurs des Basiswertes nicht allzu weit von der Barriere entfernt, so sinkt der Preis des Knock-out Calls, wenn mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet wird. Er steigt, wenn mit geringeren Kursschwankungen gerechnet wird. Das liegt daran, dass das Risiko eines Knock-outs, also eines Erlöschens des Bonusmechanismus, mit einer Zunahme der Kursschwankungen steigt und mit einer Abnahme der Kursschwankungen fällt. Umgekehrtes gilt, wenn der Kurs des Basiswertes sehr viel niedriger notiert als die Barriere und das Risiko eines Knock-outs aufgrund der Distanz zur Barriere sehr gering ist. Dann führt eine Zunahme der erwarteten Kursschwankungen zu einer Wertsteigerung, eine Abnahme der erwarteten Kursschwankungen zu einer Wertminderung des Calls.

4. Erwartete Dividenden
Hohe erwartete Dividenden wirken sich Wert steigernd, niedrige erwartete Dividenden Wert mindernd auf den Preis von Reverse Bonus-Zertifikaten aus. Die Höhe der Dividenden wirkt sich vor allem bei dem Put mit dem Basispreis in Höhe des Reverse Kurses aus. Da Dividenden zu einem Dividendenabschlag führen, der den Kurs des Basiswertes am Tag der Dividendenzahlung drückt, ist ein Put umso teurer, je höher die Dividende ist. Das wirkt sich während der Laufzeit Wert steigernd auf den Preis des Reverse Bonus-Zertifikates aus. Umgekehrtes gilt bei der Erwartung sinkender Dividenden.

Zusammenfassung

  • Das Reverse Bonus-Zertifikat besteht aus einem Put mit einem Basispreis auf Höhe des Reverse Kurses und einem Knock-out Call. Dieser hat einen Basispreis in Höhe der Differenz aus Reverse Kurs und Bonusbetrag und einen Knock-out in Höhe der Barriere. Die Laufzeit beider Instrumente ist identisch mit der Laufzeit des Reverse Bonus-Zertifikates.
  • Sofern die Barriere nicht verletzt wurde, erzielt das Reverse Bonus-Zertifikat auch bei leicht steigenden oder unveränderten Kursen des Basiswertes durch die Zahlung des Bonusbetrags eine positive Rendite.¹⁵ Bei stark fallenden Kursen des Basiswertes werden die höchsten Renditen erzielt.
  • Der Einfluss von Laufzeit und Höhe der erwarteten Kursschwankungen auf die Preisbildung
    kann nicht pauschal beantwortet werden. Es kommt auf den Abstand zwischen Barriere und aktuellem Kurs des Basiswertes an.
  • Mit Produktvarianten kann das Risiko-Rendite-Profil auf die individuelle Markterwartung
    des Anlegers abgestimmt werden.

¹⁵Vorausgesetzt, dass der Bonusbetrag größer ist als die Summe aus Erwerbspreis und Erwerbskosten.

Bitte beachten Sie auch die Wichtigen Hinweise.

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