Märkte am Morgen

Nach der Brexit-Schlappe im britischen Parlament können Anleger nur kurz durchatmen. Zwar scheiterte am Mittwoch wie erwartet ein Misstrauensvotum gegen Premierministerin Theresa May. Mehr Klarheit, wie es nun weitergehen könnte, gibt es aber nicht. Erst am Montag wird May einen neuen Plan vorstellen. Nahezu alle Optionen sind möglich: Weitere Verhandlungen mit der EU, eine Verschiebung des Austrittsdatums oder auch ein ungeordneter Brexit. Die EU intensiviert zumindest zehn Wochen vor dem drohenden Termin die Vorbereitungen für einen Hard Brexit.

Angesichts der zahlreichen anderen Risikofaktoren zeigen sich die Börsen sehr gelassen. Zwar scheint für den DAX derzeit die 11.000er-Schwelle eine unüberwindbare Hürde zu sein – der Index zeigt wieder Relative Schwäche gegenüber den amerikanischen Börsen. Dennoch steuert der deutsche Leitindex auf den ersten positiven Monat seit Juli zu. Gegenüber dem Jahreswechsel beträgt das Plus rund 3,5 Prozent.

Finanzwerte befeuern die US-Börsen

Zum heutigen Auftakt zeichnen sich in Frankfurt leichte Gewinnmitnahmen ab, der DAX wird rund 0,5 Prozent tiefer bei 10.880 Zählern erwartet. Im Blickpunkt bleiben die Banken: Zur Wochenmitte legten Deutsche Bank und Commerzbank kräftig zu. Erneut gab es Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden Institute. Zudem präsentierten die US-Branchengrößen starke Ergebnisse.

Goldman Sachs überraschte die Wall Street am Mittwoch auf der Ertragsseite, die Aktie sprang um mehr als neun Prozent an. Auch die Bank of America übertraf die Prognosen, der Kurs legte um sieben Prozent zu. Besser als erwartet liefen zudem die Geschäfte beim Broker Charles Schwab. Heute folgen Morgan Stanley sowie am Abend Netflix und American Express.

Unterstützt von den guten Ergebnissen rückte der Dow Jones um 0,6 Prozent vor. Nicht ganz so rund lief es bei den konjunktursensiblen Technologiewerten, der Nasdaq Composite-Index verbesserte sich um 0,2 Prozent. Im späten Geschäft kamen die Kurse zurück, nachdem Gerüchte aufkamen, dass dem chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei Industriespionage vorgeworfen wird und offenbar Ermittlungen laufen. Dies wären keine guten Voraussetzungen, um den laufenden Handelskonflikt zwischen den USA und China zu beenden.

Ölpreis konsolidiert

An den Rohstoffmärkten leuchten im frühen Geschäft überwiegend Minuszeichen auf. Brent steht rund 0,6 Prozent tiefer bei 61 Dollar. Zuletzt profitierten die Preise von möglichen neuen chinesischen Konjunkturmaßnahmen und der Aussicht auf eine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran. Gold pendelt weiterhin seitwärts bei 1290 Dollar.

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