Wenn Jim Rogers sich zum Markt äußert, hören die Börsianer genau zu. Die Investorenlegende hat am Aktienmarkt schon viel erlebt. Im Gespräch mit MÄRKTE & ZERTIFIKATE erklärt der US-Amerikaner seine Einschätzung der aktuellen Lage – und warum er positiv für Gold, Silber und Öl gestimmt ist.

 

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Herr Rogers, das vergangene Börsenjahr ist noch nicht lange vorbei, was hat Sie an 2019 besonders überrascht?

Jim Rogers: Die für mich größte Überraschung war wohl die Stärke des US-Markts. Andere Märkte wie Russland waren zwar sogar noch stärker – aber das hat mich nicht wirklich überrascht; ich halte schließlich eine Menge an russischen Aktien. Die Performance der US-Börsen allerdings hatte ich so nicht erwartet.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Wenn wir über 2020 sprechen, kommen wir an der jüngsten Eskalation im Nahen Osten nicht vorbei. Wie gefährlich ist die Konfrontation zwischen Iran und den USA für die Märkte?

Jim Rogers: Ich weiß nicht, wer in Washington geglaubt hatte, es wäre gut, mit militärischen Mitteln einzugreifen, aber sie haben es getan. Sehr selten in der Geschichte hatte es gute Folgen, wenn es zu offenen Konflikten kommt, und auch diesmal wird es nicht gut sein.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Was befürchten Sie?

Jim Rogers: Neben der direkten Konfrontation der USA mit dem Iran sehe ich mittel- bis langfristig vor allem die Gefahr, dass Russland, China und der Iran weiter zusammenrücken.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Was heißt das für die Märkte?

Jim Rogers: Klar ist nur, dass wenn die Krise im Nahen Osten nicht wäre, sich die Kursrally an den Aktienmärkten sicherlich fortsetzen würde. Dafür geben die Regierungen zu viel Geld aus, drucken die Notenbanken zu viel davon. Ob das am langen Ende richtig ist, ist stark zu bezweifeln, aber sie tun es. Zwar kann sich der aktuelle Bullenmarkt theoretisch auch bis in die Unendlichkeit fortsetzen. Doch ich glaube, dass wenn wir das nächste Mal einen Bärenmarkt in den USA haben – der letzte ist jetzt fast elf Jahre her –, wird er aus verschiedenen Gründen sehr böse werden. Einer dieser Gründe ist die Entwicklung im Iran.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Die daraus möglicherweise resultierende Unsicherheit am Aktienmarkt könnte den vielzitierten sicheren Häfen zugutekommen. Wie sehen Sie Gold vor diesem Hintergrund?

Jim Rogers: Ich halte nach wie vor große Positionen an Gold, hatte aber über mehrere Jahre nicht aufgestockt. Erst 2019 habe ich langsam wieder mit Zukäufen begonnen und werde das fortsetzen – auch weil ich glaube, dass bei Gold ebenso wie bei Silber das Schlimmste vorbei ist. Es wird immer wieder Rückschläge geben, aber die jüngste Korrektur zog sich über acht Jahre –  das ist eine sehr lange Zeit.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Die Rohstoffe Platin und vor allem Palladium sind ja schon seit Längerem im Fokus der Anleger. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Jim Rogers: Beide haben natürlich den Vorteil, dass sie zum einen als Edelmetalle grundsätzlich sehr wertvoll sind, zum anderen aber auch eine praktische Verwendung in der Industrie finden. Das macht sie äußerst interessant für potenzielle Investoren.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Vor dem aktuellen Hintergrund müssen wir natürlich auch über Öl sprechen. Wie ist Ihre Meinung zum Ölpreis?

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