Wie entsteht Wohlstand? Wozu Zinsen? Die Wirtschaftsprofessorin Karen Horn beschäftigt sich in Ihrem neuen Buch „Ökonomische Hausapotheke“, erschienen bei NZZ Libro, mit den Grundfragen unserer Wirtschaft und gibt dabei spannende Einblicke in die Zusammenhänge.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Frau Professorin Horn, mit Ihrem neuen Buch „Ökonomische Hausapotheke“ geben Sie dem interessierten Leser eine Vielzahl an Denkanstößen zu Themen, die sich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigen. Beispielsweise: „Woher kommt der Wohlstand?“ oder „Wie beeinflussen sich Wirtschaft und Gesellschaft?“ Gibt es denn auf solche Fragen überhaupt klare Antworten? Wirtschaft, so könnte man annehmen, ist doch sehr kompliziert und die Fachdiskussionen über solche Themen ändern sich ständig.

Karen Horn: Genau das bedingt den Reiz der Ideengeschichte, aus deren reichem Fundus ich in meinem Buch schöpfe. Sie lehrt Demut und öffnet unseren Blick. Sie erinnert daran, dass alles Wissen vorläufig ist, dass die Erkenntnis nicht linear voranschreitet, und dass es immer lohnt, die Perspektive zu wechseln. Was die für das Fach nahezu konstitutive Frage nach der Quelle des Wohlstands angeht: Im Laufe der Jahrhunderte tieferen Nachdenkens über ökonomische Zusammenhänge sind immer wieder andere Triebkräfte in den Vordergrund gerückt, vom Ressourcenreichtum eines Landes, der Topographie und der Bodenqualität über die Zahl und Struktur der Bevölkerung, das «Humankapital», die Arbeitsteilung, die Exportstärke und den technischen Fortschritt bis hin zur Kultur. Heute wissen wir, dass all diese Faktoren von Bedeutung sind, aber wie sie zusammenhängen und welchen in einer bestimmten Situation die Führungsrolle zukommt, müssen wir uns immer wieder neu anschauen.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Unter der Frage „Wozu Firmen und Konzerne?“ schreiben Sie sinngemäß: Die Grenzen des gesunden Wachstums eines Unternehmens sind erreicht, wenn die Manager den Überblick verlieren. Das scheint bei einigen Firmen passiert zu sein. Wird unsere Wirtschaft von Unternehmen dominiert, die längst zu groß geworden sind? Was könnte man dagegen tun?

Karen Horn: Wie in der Wissenschaft, wo monokausale Erklärungen selten richtig sind, ist es auch in der Unternehmensführung meistens falsch, ein Konzept a