Torsten Dennin, Buchautor und profunder Kenner des Finanz- und Rohstoffmarktes, sieht die Rohstoffpreise im Aufwind. Vor allem im Vergleich zu Aktien sind Rohstoffe derzeit extrem günstig, zudem bekommen sie Rückenwind von Megatrends, so die Einschätzung des Wirtschaftsprofessors.

MÄRKTE & ZERTIFIKATE: Herr Professor Dr. Dennin, Sie schreiben in Ihrem Buch: „Wir stehen vor dem Beginn eines neuen Rohstoffzyklus, einer mehrjährigen Periode steigender Preise.“ In den zurückliegenden Jahren haben die Rohstoffe jedoch arg gelitten. Wie kommen Sie zu Ihrer Einschätzung? Was sind die fundamentale Faktoren, die für einen Anstieg sprechen? Und warum gerade jetzt? Schließlich spekulieren einige Beobachter auf einen Wirtschaftsabschwung, was die Rohstoffpreise ja eher belasten dürfte.

Torsten Dennin: In meinem Buch „Von Tulpen zu Bitcoins“ spanne ich einen Bogen von fast 400 Jahren Rohstoffmarktentwicklung, von der Tulpenmanie in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts, über Gold und Ölspekulationen bis hin zum Crypto Craze, dem Boom & Bust von Bitcoins vor zwei Jahren.Als Wirtschaftswissenschaftler interessieren mich dabei die großen und langen Zyklen. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise beobachten wir eine zunehmende Asset Price Inflation: Immobilien, Aktien und Anleihen sind sehr teuer geworden. Anleihen guter Bonität werfen schon seit Jahren keinen realen Ertrag mehr ab: Das Gespenst der Null- und Negativzinsen enteignet Sparer. Und die Aktienmärkte befinden sich in der längsten Aufwärtsphase seit den goldenen 1920er Jahren, die ja schließlich durch Weltwirtschaftskrise, große Depression und populistische politische Strömungen ein Ende fand – klingt das nicht irgendwie vertraut?