Markt im Widerspruch nach Fed-Nachrichten

Klasse, was der Markt da alles geschafft hat. Die US-amerikanischen Märkte hatten es voll drauf und ließen sich durch nichts ins Bockshorn jagen. Gut, der Monatsanfang war noch mal ein kleiner Schock, doch dann berappelten sich die Marktteilnehmer ganz offensichtlich und drückten die Kurse mit ihren Kaufgesuchen wieder nach oben. Wer sich erinnert: Eigentlich war der Kurs ja seit Anfang letzten Jahres in den „Raketenmodus“ gegangen und hatte im großen Bild wenig bis gar keine echten Korrekturen gezeigt.So, und nun das: Die US-Notenbank meldet, dass ab sofort dem Markt Geld entzogen werden soll, um damit die riesige Bilanzsumme, die sich im Zuge der jahrelangen Geldschwemme aufgebaut hat, wieder zu reduzieren. Zunächst noch ganz gemächlich, doch mit jedem Monat ein bisschen mehr.

Eigentlich würde man nun erwarten, dass der Markt und seine Akteure teils beleidigt, teils verängstigt reagieren und durch Gewinnmitnahmen und Verkäufe den Markt drücken könnten. Denn die inflationäre Aktienpreisentwicklung wäre damit zumindest einmal beendet. Aber nein, selbst im direkten Nachgang der Pressekonferenz der Fed hatte der Dow noch mal laut aufgelacht und tapfer höher geschlossen. Ist damit das Ende aller Sorgen eingeleitet?

Offensichtlich passen hier charttechnische Gesichtspunkte, die zumindest bislang noch für eine Fortsetzung nach oben gesprochen hatten, und die fundamentalen Überlegungen wenig zusammen. Doch ein Blick auf den marktbreiten S&P 500 zeigt schon auch, dass der Gesamtmarkt langsam, aber sicher müde wird, auch wenn der Dow das noch nicht wahrhaben will. Auch der zuvor verlässliche Motor Nasdaq, der die meisten Titel mit Fantasie beinhaltet, hatte in den letzten Wochen nach oben nichts mehr gekonnt und nur noch hin und her gezappelt. Es dürfte also schon bald den Aktivisten an den Depots auffallen, dass die Party – sagen wir – zumindest eine Pause verdient. Es ist noch nicht gesagt, dass der Kurs gleich gänzlich in den Sodom-und-Gomorrha-Modus fallen muss, doch ein- oder zweitausend Punkte beim Dow wären noch immer eine recht unausgeprägte Korrektur. Klar, kann man nur „long“, ist das nicht ideal. Doch inzwischen kann man auf mannigfaltige Instrumente zurückgreifen, die nicht nur die Abwärtsseite absichern können, sondern auch noch in der Korrektur Spaß machen können. Und später kann man ja auch günstiger wieder rein.