Spannung vor der US-Wahl steigt – damit auch die Nervosität der Anleger

In rund zehn Tagen, am 3. November 2020, wird in den USA gewählt. Neben dem Präsidenten werden das US-Repräsentantenhaus sowie 35 Sitze im US-Senat neu gewählt. Ohne Zweifel bergen die laufenden Wahlen mehr Zündstoff als alle vorherigen. In den Medien wird daher oft von einer „Schicksalswahl“ nicht nur für die USA gesprochen. Die Börsen reagieren bislang weitestgehend unaufgeregt. Aber wird das auch so bleiben?

Die Daten sowohl von den US-Marktplätzen als auch der Deutschen Börse zeigten in den vergangenen Wochen Handelsvolumina, die weder in die eine noch in die andere Richtung aus dem Rahmen fallen. Auffälliger bewegen sich allerdings die Volatilitätsindizes, die oft als Angstbarometer der Börsen bezeichnet werden. Der V-DAX, der die implizite Volatilität von Optionskontrakten auf den DAX als Berechnungsgrundlage nimmt, notiert aktuell bei knapp über 30 Punkten und zeigt damit Ansätze von bevorstehender Nervosität. Ähnlich sieht es bei den Volatilitätsindizes auf die an der New York Stock Exchange und die an der Technologiebörse Nasdaq gehandelten Aktien aus.
Die Anklänge von Unsicherheit könnten mit den US-Wahlen zusammenhängen. Börsen hassen verfahrene Situationen in der Politik wie der Teufel das Weihwasser. Wenn aber am Wahlabend Unsicherheit über das Wahlergebnis herrscht, könnte genau so eine Situation eintreten. Während wir in Deutschland nach Wahlen oft bereits Stunden nach dem Schließen der Wahllokale belastbare Zahlen über das Wahlergebnis erhalten, könnte sich das bei den diesjährigen US-Wahlen hinziehen. Das liegt nicht nur am US-Wahlsystem, bei dem alle Wahlmänner eines Bundesstaats komplett dem jeweiligen Sieger zugerechnet werden, sondern auch an der hohen Zahl an Briefwählern. Wahlforscher gehen davon aus, dass rund 80 Millionen US-Bürger, mehr als doppelt so viele wie 2016, ihre Stimme per Briefwahl abgeben werden. In einigen Bundesstaaten werden sie auch dann mitgezählt, wenn sie rechtzeitig zur Post gebracht werden, aber erst nach dem 3. November eingehen. Das Auszählen aller Stimmen wird also dauern.

Natürlich ist es denkbar, dass einer der beiden Kandidaten schon anhand der am 3. November und bereits vorher mittels „early voting“ abgegebenen und ausgezählten Stimmen am Wahlabend uneinholbar führt. Aber genauso realistisch ist das Szenario, dass es am Ende auf die Auszählung der Briefwahlstimmen ankommt. Und das könnte durchaus zu Turbulenzen an den Börsen führen.