Welche Sektoren für Anleger jetzt interessant sein könnten

Noch vor einem Vierteljahr stand die deutsche Konjunkturlokomotive unter Dampf. Die Wirtschaft wuchs um 0,5 Prozent. Drei Monate später legte der Zug den Rückwärtsgang ein: Das Statistische Bundesamt hat ein Minus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das dritte Quartal von 0,2 Prozent errechnet. Damit entwickelte sich die Wirtschaft nach drei Jahren des permanenten Wachstums leicht nach hinten. Allerdings gilt dies nicht für alle Branchen, denn sonst wäre das Minus deutlich stärker ausgefallen. Dies bestätigte mir in dieser Woche auch Johannes Schmidt, der Vorstandschef von Indus. Er sagte: „Es gibt viel Licht mit wenigen dunklen Schatten.“ Und er sollte es wissen, denn er spricht dabei über die von ihm geführte Holding mit Beteiligungen an 45 mittelständischen Unternehmen der verschiedensten Branchen.

Dies zeigt, dass Deutschland von einer Rezession noch weit entfernt ist. Allerdings ist ausgerechnet der Deutschen liebstes Kind, die Automobilindustrie, das aktuelle Sorgenkind. Denn die anhaltenden Diskussionen um den Diesel hindern potenzielle Autokäufer derzeit am Kauf von Neufahrzeugen. Ohnehin steht diese Branche vor radikalen Veränderungen. Denn mittel- bis langfristig wird das Elektroauto die bisherigen Antriebssysteme komplett ablösen. Gleichzeitig wird die Digitalisierung unser Fahrverhalten radikal verändern. Leider hat es den Anschein, dass gerade die sonst so innovativen deutschen Autobauer hier die erste Entwicklungswelle verschlafen haben, jetzt aber mit Nachdruck in die richtige Richtung investieren. Mit Blick auf den Fleiß der deutschen Ingenieure und deren Forschergeist dürfte daher auch beim Auto in den kommenden Jahren das Qualitätssiegel „Made in Germany“ seine Gültigkeit behalten – trotz Newcomern wie Tesla aus den USA oder Nio aus China.

Ob es allerdings schon jetzt sinnvoll ist, auf deutsche Auto-Aktien zu setzen, bezweifle ich. Denn dies wäre schon ein extrem antizyklischer Investmentansatz. Sinnvoller erscheint unter anderem der Gesundheitssektor, der von der steigenden Lebenserwartung profitiert. Aussichtsreich sind aber auch Branchen, die von den gut gefüllten Geldbeuteln der Bürger und deren Konsumfreude profitieren. Dies könnte die Reisebranche, aber auch das Segment Essen und Trinken. Denn beim Verreisen sind wir schon seit vielen Jahren an der Weltspitze und ein gutes Essen sowie ein leckeres Getränk schmecken uns auch, wenn die Konjunkturlokomotive im kommenden Jahr etwas langsamer fährt. Passende Endlos-Zertifikate auf europäische Branchenindizes dazu sind bei BNP Paribas investierbar.

Abbildung Autor Wolfgang Raum

Für einen Zeitraum von vier Wochen schreibt immer ein anderer erfahrener Autor die Aufmacher-Geschichte in Märkte & Zertifikate weekly.
Diesmal: Wolfgang Raum. Der freie Börsenjournalist wurde in seiner Zeit beim ZertifikateJournal zweimal mit dem DDV-Journalistenpreis für Online-Medien ausgezeichnet. Aktuell ist er u.a. als Börsen-Blogger auf www.plusvisionen.de tätig, aber auch als Autor für Magazine, Newsletter und Börsenbriefe.