USA und China einigen sich auf ein erstes Handelsabkommen

Rund zwei Jahre nach Beginn des Handelsstreits zwischen den USA und China und der wiederholten Erhebung von Zöllen und Gegenzöllen haben sich die Streithähne fürs Erste geeinigt. Beide Staaten unterzeichneten am Mittwoch ein als „Phase one“ bezeichnetes erstes Handelsabkommen. Im Zuge dieser Vereinbarung werden die USA allerdings nur einen Teil ihrer Strafzölle auf chinesische Warenlieferungen reduzieren. Die Volksrepublik will im Gegenzug im großen Stil landwirtschaftliche Erzeugnisse, Industrieprodukte und Energieträger in den Vereinigten Staaten einkaufen und sich für US-Finanzdienstleistungen öffnen. Die Verhandlungen über wesentliche andere Streitpunkte beginnen allerdings erst und sollen in einem zweiten Vertrag geregelt werden. Beigelegt ist der Streit mit der jetzigen Teilvereinbarung also nicht.

Obwohl nicht unmittelbar vom Handelsabkommen betroffen, war der Mittwoch ein guter Tag für die EU, insbesondere für Deutschland. Denn der Zollstreit hat nicht so sehr die USA, sondern vor allem exportstarke Nationen wie Deutschland deutlich gebremst. Das liegt daran, dass aufgrund der weltweit spürbaren Verunsicherung Investitionen zurückgehalten wurden. Investitionsgüter machen jedoch neben Automobilen einen Großteil der deutschen Exporte aus. Da die Teileinigung eine Eskalation des Handelsstreits unwahrscheinlich macht, sollte die Zurückhaltung bei vielen Unternehmen hinsichtlich neuer Investitionen in den kommenden Monaten abnehmen. Ein weiterer positiver Aspekt des Handelsabkommens ist, dass die USA anderen westlichen Industrieländern, die ebenfalls unter unfairen chinesischen Handelspraktiken leiden, gezeigt haben, dass sie nicht wehrlos gegen China sind. Bislang weiß die EU nicht so recht, wie sie konkret gegen Ideenklau, Knebelverträge und existenzbedrohende Nachteile durch chinesische Staatssubventionen in Schlüsseltechnologien vorgehen kann. Anders allerdings als die USA wird die EU eher versuchen, China im Rahmen der Welthandelsorganisation dazu zu drängen, sein staatskapitalistisches Wirtschaftsmodell marktwirtschaftlich umzubauen. Ganz oben auf dem Wunschzettel dürfte stehen, dass die Unterstützung für Staatsunternehmen zurückgefahren wird und ausländische Unternehmen genauso behandelt werden wie einheimische.

Die Auftragseingänge der kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Teileinigung der beiden Streithähne in der Investitionslaune niederschlägt. Anleger sollten daher typische Investitionsgüterbranchen wie etwa Anlagen- und Maschinenbau und Chemie im Auge behalten.