Investor-Legende Jim Rogers sieht Kaufchancen am Aktienmarkt

Die Straßen sind wie leer gefegt. Die Fußgängerzone ist ausgestorben. Einige Geschäfte haben geschlossen, in den anderen ist kaum was los. Ein Samstagnachmittag in der Münchener Innenstadt sieht normalerweise anders aus. Doch normal ist im Moment sowieso nichts. Das Coronavirus, oder besser gesagt die Angst vor dem Virus, hat Deutschland, ja ganz Europa, fest im Griff. Die Bilder aus der Münchener Innenstadt erinnern mich stark an Bericht­erstattungen aus einigen chinesischen Großstädten vor einigen Wochen. Damals grassierte Corona etwa in Wenzhou. Auch dort war alles wie leer gefegt, die wenigen Menschen, die unterwegs waren, hasteten über die Straßen. Doch das war vor einigen Wochen so. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. In China scheint der Wendepunkt der Virusinfektion erreicht. Einige Unternehmen fahren ihre Produktion wieder hoch, wie das Beispiel Hyundai zeigt. Der Automobilkonzern hatte noch im Februar einen katastrophalen Verkaufsrückgang von 95 Prozent in China gemeldet, nun sind Werke in Peking, Cangzhou und Chongqing wieder in Betrieb.

Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, bleibt abzuwarten. Einige Kommentatoren verbreiten Zuversicht. Das betrifft auch den Aktienmarkt. Der Shanghai Composite Index, der mit einem Rückgang von 15 Prozent seit Mitte Februar ohnehin deutlich weniger verloren hat als etwa der DAX, wird als „attraktiv bewertet“ eingestuft. Sind China-Aktien ein Kauf? Den durch das Coronavirus ausgelösten Nachfragerückgang in China haben viele dort heimische Unternehmen vielleicht hinter sich, wie die Meldungen von Hyundai zeigen; nun müssen sie noch den Nachfrageeinbruch aus Europa und Nordamerika verkraften. Insofern ist es schwierig, zu einem Kauf von China-Aktien zu raten, aber auf die Lauer könnte man sich nun schon mal legen.

Ich fahre nach Hause, verlasse München. Am Schreibtisch lese ich, was Jim Rogers über Corona und den Aktiencrash denkt. Der Star­investor sieht gute Einstiegschancen. Nachdem viele Märkte nach über zehn Jahren Hausse überkauft waren, haben wir nun starke Gewinnmitnahmen erlebt, die in einen Ausverkauf mündeten. „Investoren sollten wahrscheinlich kaufen“, sagt Rogers. Das hätte ich von Rogers so gar nicht erwartet, in der Vergangenheit ist er oft mit Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit getreten. Nun fange ich doch an zu schwanken und überlege mir, hier und da in den Markt einzusteigen. Zumindest könnte ich einige meiner Depotpositionen, an denen ich langfristig festhalten möchte, durch einen Nachkauf verbilligen.