Corona wird uns und unsere Wirtschaft verändern.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist auf dem Tiefpunkt. Der aktuelle ifo-Geschäftsklimaindex, am Donnerstag veröffentlicht, verzeichnet den stärksten jemals seit der Wiedervereinigung Deutschlands gemessenen Rückgang. Er ist im März auf 86,1 Punkte eingebrochen, nach 96 Punkten im Februar. Das wundert kaum, denn die Einkaufsstraßen sind leer, öffentliche Einrichtungen geschlossen, Cafés und Restaurants sind zu – der Konsum liegt brach. Die Menschen haben sich, so scheint es, zu Hause eingeschlossen, verbarrikadiert. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus treibt die Menschen in eine Art innere Emigration.

Doch stopp, genug des Pessimismus. Denn das ist nur die eine Sicht auf die Dinge. Die andere sieht deutlich positiver aus: Während im realen Leben alles auf offline geschaltet wird, gehen die Menschen online. „Wer kauft, tut dies im Internet“, sagte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). Und viele tun dies zum ersten Mal. Denn der Kauf von Produkten über das Internet hat sich zwar auch schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland stark entwickelt, doch die meisten Waren wurden eben doch noch ganz real vor Ort, im Supermarkt um die Ecke, gekauft. Das könnte sich nun ändern. „Die Coronavirus-Krise wird wie ein Katalysator wirken“, so die Einschätzung des E-Commerce-Experten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Ein Trend, der sich in den kommenden Wochen ungemein verstärken wird. Denn noch sitzen die Menschen auf ihrem Gehorteten. Doch spätestens in ein oder zwei Wochen, wenn die Vorräte zur Neige gehen, wird man den Computer anschalten und nach Online-Angeboten suchen. Und einmal bestellt, sind die Hürden quasi gefallen; die bisherigen Vorbehalte gegen Online-Einkäufe werden schwinden, man wird auch in Zukunft Lebensmittel im Internet ordern. Das ist meine ganz persönliche Pro­gnose. Mehr noch, neben Lebensmitteln werden auch Medikamente bestellt, die Schule besucht und der Arzt um Rat gefragt – E-Learning und Telemedizin, ebenfalls zwei Bereiche, die ihren Durchbruch in Deutschland erleben werden.

Und so ist das mit der Konjunkturprognose des ifo-Instituts ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ja, die Zahlen sind schlecht.
Andererseits, in jedem Schlechten steckt der Keim für einen Wandel, für einen Anfang. Den müssen wir ergreifen, etwas anderes bleibt uns gar nicht übrig.