Öl- und Gasunternehmen profitieren von gestiegenen Rohölpreisen

Im Schatten der Nachrichtenlage rund um den schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China und der konfusen Situation beim Brexit ist der Rohölmarkt seit Anfang des Jahres heiß gelaufen. Die Sorte Brent hat sich im Zeitraum Januar bis Ende März 2019 um 27 Prozent auf rund 68,50 Dollar verteuert, Rohöl der Sorte WTI sogar um 32 Prozent auf rund 60,50 Dollar. Das ist der stärkste Anstieg der Rohölpreise innerhalb eines Quartals seit gut einem Jahrzehnt.

Profiteur des Anstiegs ist neben den Förderländern und ihren staatlichen Mineralölgesellschaften vor allem „Big Oil“, also die großen privaten Öl und Gas fördernden Unternehmen. Branchenanalysten sehen das Ende der Rally noch nicht erreicht. Die positive Einschätzung ist nicht so sehr in der Nachfrageseite begründet, sondern vor allem in der Angebotssituation. Die hängt maßgeblich von der Förderdisziplin der OPEC ab, deren Mitgliedsländer naturgemäß an einem möglichst hohen Rohölpreis inte­ressiert sind. Eine aktuelle Reuters-Umfrage zeigt, dass die Förderung der OPEC-Länder im März auf den tiefsten Stand in vier Jahren gefallen ist. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Venezuelas Produktion steht wegen Missmanagement und der immer wieder ausfallenden Stromversorgung auf wackeligen Füßen, während der Öl-Gigant Saudi-Arabien die Fördermengen bewusst knapp hält. Im Falle Saudi-Arabien ist zu berücksichtigen, dass die Staatsführung den Börsengang der staatlichen Ölfördergesellschaft Aramco im Auge hat. Das wird zwar noch dauern, aber natürlich wird ein möglichst hoher und auch stabiler Ölpreis helfen, den Emissionserlös zu maximieren. Da zurzeit nichts darauf hindeutet, dass ein großes OPEC-Mitglied aus der Förderdisziplin ausschert, ist es wahrscheinlicher, dass das Rohölangebot knapp bleibt, als dass es zu einer Überproduktion kommt.

Was die Ertragslage der Öl- und Gasunternehmen zusätzlich befeuert, ist eine ausgeprägte Kapitaldisziplin. Die Branche scheut Milliardenprojekte und hält die Investitionen seit nunmehr drei Jahren auf der Hälfte des hohen Niveaus von 2013. So erwirtschafteten die neun größten Öl- und Gasunternehmen aus den USA und Europa 2018 nicht gebundene Barmittel in Höhe von 98 Milliarden Dollar. Dieser freie Cashflow übertraf die Dividenden um 64 Prozent und weckt Interesse bei Anlegern, die auf hohe Ausschüttungen und solide Bilanzen setzen. Anleger, die mit Risikopuffer auf einzelne Öl- und Gasunternehmen setzen wollen, finden ein großes Angebot an Discount und Bonus Zertifikaten.

<