Von nun an könnte sich die Ölproduktion rückläufig entwickeln.

Irgendwann hat jeder mal recht. Man muss etwas nur oft genug wiederholen, dann passiert es, irgendwann halt. So ist es auch an der Börse. Die berühmt-berüchtigten Crashpropheten etwa, sie liegen alle paar Jahre mal richtig. Denn irgendwann kommt jeder Markt unter Druck. Dass zwischendurch mit steigenden Kursen viel Geld zu verdienen war, darüber wird kein Wort verloren. Und so ist es auch am Rohstoffmarkt. Seit den 1970er-Jahren kursiert die Theorie vom Peak Oil. Ein Zeitpunkt, ein Peak, an dem die Ölproduktion ihren Höhepunkt erreicht hat und sich fortan rückläufig entwickelt. Das Problem: In der Praxis hat es einen Peak Oil bislang nicht gegeben. In den 70er-Jahren belief sich die tägliche Ölproduktion auf 50 bis 60 Millionen Barrel; 2019 waren es im Schnitt fast 100 Millionen Barrel. Peak Oil? Absolut nicht!

Doch nun versuche ich mich mal als „Crashprophet“ respektive als Peak-Oil-Verfechter. Ich sage: Die Corona-Pandemie markiert einen Wendepunkt in der weltweiten Ölproduktion; die Post-Corona-Nachfrage wird hinter der im dem Jahr 2019 liegen – der Peak Oil ist erreicht, von nun an wird sich die Ölproduktion rückläufig entwickeln.

Wie ich dazu komme? Nun, dafür gibt es viele Gründe. Etwa den, dass die Pandemie die Menschen auf den Geschmack gebracht hat, zu Hause zu arbeiten. Sie fahren in Zukunft nicht mehr so häufig zur Arbeit, sie verbrauchen damit weniger Öl. Und auch das Fliegen in den Urlaub könnte in einer Post-Corona-Zeit an Bedeutung verloren haben – zu Hause ist es auch schön. Zudem gibt es Entwicklungen, die unabhängig von der aktuellen Krise ohnehin ihre Wirkung entfalten. So wird Autofahren immer uncooler. Junge Menschen setzen auf alternative Fortbewegungsmittel und fahren zum Beispiel Fahrrad. Ganze Innenstädte werden für Autos gesperrt. Und noch ein weiterer Grund: In immer mehr Ländern wird der Einbau von Ölheizungen verboten.

Nun, ob all das für den Peak Oil reicht, wir werden sehen. Tatsache ist, dass derzeit zwischen 10 und 20 Millionen Barrel weniger Öl am Tag verbraucht werden. Natürlich wird es nach der Pandemie zu einer Belebung kommen, es wird dann mehr Öl nachgefragt. Aber ob das alte Niveau jemals wieder erreicht wird, wissen wir nicht.