Weil vieles richtig gemacht wurde, läuft die Wirtschaft in Taiwan.

Waren Sie schon mal in Taiwan? Kann ich nur empfehlen. Auch wenn die Reise derzeit kaum möglich ist – die Corona-Beschränkungen lassen touristische Reisen nicht zu –, merken Sie sich das Land für Ihren nächsten Trip vor: die Alishan National Scenic Area in 2.000 m Höhe, traumhaft; die Sandstrände von Kenting, ein absolutes Muss; und natürlich Taipeh, Schmelztiegel von Moderne und Tradition.

Und mit noch etwas kann Taiwan aufwarten, mit einem überzeugten Handeln während der Coronavirus-Pandemie. Früher als viele andere Staaten hat Taiwan strenge Einreisekontrollen erlassen. Schon im Dezember des zurückliegenden Jahres wurden Gäste am Flughafen auf Krankheitssymptome getestet, eine Maskenpflicht für alle Ankömmlinge, Händedesinfektionen vor Restaurants und Geschäften, Fiebermesskontrollpunkte – Taiwan zog alle Register, die man in der SARS-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003 gelernt hatte. Die Coronavirus-Pandemie ist in Taiwan unter Kontrolle, die Wirtschaft wächst. Im laufenden Jahr rechnet die Regierung in Taipeh mit immerhin zwei Prozent, das dürfte der höchste Zuwachs von allen Industrieländern sein.

Aber natürlich bekommt auch Taiwan die Auswirkungen der Krise zu spüren. Quasi indirekt, über den Export. Weil die Weltwirtschaft heruntergefahren wurde, brechen die Ausfuhren des Landes ein. Als Zulieferer für Hightech-Produkte hängt Taiwan am Puls des globalen Handels. Ruhen die Fabriken in Europa und Nordamerika, betrifft das auch die taiwanische Wirtschaft. Und so blickt man in Taipeh nun voller Hoffnung auf China. In Peking hat man die Rückkehr zur Normalität beschlossen, Taiwans Wirtschaft bekommt das unmittelbar zu spüren. Neue Aufträge vom Festland füllen die Lücken. Und so könnte der Inselstaat vergleichsweise unbeschadet durch die Pandemie-Krise kommen.

Allein deswegen ist Taiwan schon eine Reise wert, abgesehen von den vielen Sehenswürdigkeiten. Taiwan könnte sich zu einem Vorbild entwickeln, wie man mit Pandemien umgeht – weniger hektisch, überlegter, nachhaltiger. Während man bei uns schauen musste, woher man auf die Schnelle eine Maske bekam, nachdem die Pflicht eingeführt wurde, wird sie einem in Taiwan schon am Flughafen in die Hand gedrückt. Taiwaner können die Ausgaben für eine Maske sogar über ihre Krankenkasse abrechnen. Alles ist sehr vorbildlich organisiert, gilt landesweit und wird deutlich kommuniziert. Deutschland kann davon nur lernen. Das lässt mich auch für die Börse in Taipeh hoffen, die sich von ihrem Korrekturtief im März gut erholen konnte. Der MSCI Taiwan Index kommt auf meine Watchlist.