Exasol geht an die Börse. Der erste Börsengang in diesem Jahr.

Langsam, aber sicher kehrt so etwas wie Normalität in den Alltag zurück; Geschäfte öffnen, in den Fußgängerzonen sind wieder Menschen unterwegs, die ersten Touristen kommen. Das ist gut so, denn nach zweimonatiger Zwangspause kämpfen nicht wenige um ihre nackte Existenz. Vor allem Kleinunternehmer und Selbstständige sind auf neue Kunden und Aufträge angewiesen. Die müssen jetzt kommen, ansonsten wird es bald deutlich weniger sogenannte KMUs in Deutschland geben, also kleine und mittlere Unternehmen, die nach Einschätzung aller Experten das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden – die KMUs beschäftigen knapp 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Börsengang von Exasol am kommenden Montag besondere Bedeutung zu. Er ist nicht nur der erste an der Frankfurter Börse in diesem Jahr, er ist zugleich auch ein Signal für die Rückkehr von Normalität an den Aktienmarkt. Mit 180 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von etwas mehr als 20 Millionen Euro ist Exasol ein typischer Vertreter des deutschen Mittelstands. Um weiter zu wachsen, hat sich das Nürnberger Softwareunternehmen die Börse als Finanzierungsquelle ausgesucht. Das Listing erfolgt im Börsensegment Scale, das kleinere und mittlere Unternehmen aufnimmt und höhere Zulassungs- und Folgepflichten hat als der Entry Standard.

Inwieweit das mutige Voranschreiten von Exasol motivierend auf andere potenzielle Börsenkandidaten gewirkt hat, ist unklar. Doch das IPO-Karussell nimmt Fahrt auf. Auch JDE Peet’s wird in der kommenden Woche den Gang auf das Parkett wagen, an die Euronext-Börse in Amsterdam. JDE Peet’s gehört zum Reimann-Imperium, einer deutschen Milliardärsfamilie, und vertreibt unter anderem die bekannte Kaffeemarke Jacobs. In den kommenden Monaten könnten dann auch noch der Energiehändler Siemens Energy, der Öl- und Gasproduzent Wintershall Dea, der Antriebstechnikspezialist Vitesco und der Wissenschaftsverlag Springer Nature den Gang an die Börse wagen.

Software, Kaffee, Energie, Antriebstechnik und Verlag – das hört sich alles schrecklich normal an. Herrlich. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich eines Tages so über Normalität freuen könnte. Nach zweimonatigem Ausnahmezustand ist das aber auch durchaus nachvollziehbar.