Notenbanken wieder im Lockerungsmodus – zur Freude der Aktionäre

Negative Stimmung, negative Zinsen. Im Zuge anhaltend schlechter Nachrichten von der Konjunkturfront sind die Anleiherenditen rund um den Globus seit Monaten auf dem Rückzug. Nachdem auch die irische zehnjährige Staatsanleihe vor Kurzem unter null fiel, rentieren Euro-Staatsanleihen dieser Laufzeit nur noch in Spanien, Portugal, Zypern, Italien und Griechenland im Plus. Nun stellt sich die Frage, ob auch die Notenbanken an der Zinsschraube drehen werden. Da die Geldpolitik ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Kapitalmärkte ist, will ich hier kurz beleuchten, was in den kommenden Monaten von den wichtigsten Zentralbanken zu erwarten ist.

In den USA zeigten sich zwar Arbeitsmarkt und Konsum zuletzt robust, die Risiken für den Welthandel werden jedoch auch bei der größten Volkswirtschaft der Welt Bremsspuren hinterlassen. Daher hat die US-Notenbank Fed bereits Ende Juli 2019 mit ihrer ersten Zinssenkung seit zehn Jahren reagiert. Das dürfte jedoch erst der Anfang gewesen sein. Die Mehrzahl der Analysten rechnet nun mit zwei weiteren Leitzinssenkungen im laufenden Jahr. Auch in der Eurozone ist mit einer Lockerung der Geldpolitik zu rechnen. Allerdings werden die Währungshüter der EZB etwas tiefer in den Werkzeugkasten greifen müssen, denn einer der der drei Leitzinsen, der Einlagezinssatz für Banken, liegt mit minus 0,4 Prozent bereits im Negativbereich. Ein erneutes Drehen an der Zinsschraube in den kommenden Monaten ist zwar zu erwarten, wird aber wenig bringen. Daher scheint eine Wiederaufnahme der umstrittenen Anleihekäufe, des sogenannte „Quantitative Easings“, möglich.

Die Bank of Japan, die schon seit gut 20 Jahren eine Nullzinspolitik fährt, dürfte weiter auf ihrem ultralockeren Kurs verharren. Japan leidet an einer notorischen Wachstumsschwäche, und auch die Inflation notiert weit entfernt vom Zielwert in Höhe von zwei Prozent. Mit neuen Maßnahmen zur Belebung ist allerdings nicht zu rechnen, da die Bank of Japan ihre Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft hat. Lediglich bei der Bank of England erscheint eine Zinserhöhung in absehbarer Zeit möglich. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht nahezu Vollbeschäftigung, die Löhne steigen und die Inflation ist innerhalb des Zielkorridors. Ein Hard Brexit könnte jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.
Die wichtigsten Notenbanken dürften die Märkte somit auf absehbare Zeit weiter mit billigem Geld versorgen. Wie bisher sollten die Aktienmärkte davon profitieren, weswegen das Langfristszenario für Aktienanleger attraktiv bleibt.