Comeback der Zykliker – die Chancen stehen gut

Der ifo-Geschäftsklimaindex zählt zu den wichtigsten Indikatoren für die Lage der deutschen Wirtschaft und ist somit auch ein starker Hinweisgeber für Aktienanleger. Eine Regel besagt: Wenn der Index dreimal in Folge steigt, sollten zyklische Werte übergewichtet werden. Fällt er dreimal in Folge, lässt man lieber die Finger davon. Ein solches Dreifachsignal sendete der Index im März 2018, als er zu Beginn des vergangenen Jahres dreimal in Folge fiel. Anleger, die sich an der Regel orientierten, haben richtig gehandelt: Der DAX liegt seitdem nur knapp im Minus, aber viele Sektoren aus dem zyklischen Segment, wie etwa Automobile und Maschinenbau, notieren mit deutlichen Abschlägen. Mit einer baldigen Kehrtwende des ifo rechnet zwar niemand, aber die Chancen stehen gut, dass sich die relative Wertentwicklung der Zykliker verbessert.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein besseres Abschneiden ist natürlich ein Ende des schwelenden Handelsstreits. Hier hat der US-Handelsminister Wilbur Ross jüngst mit dem Aufschub einiger bereits angekündigter Handelsrestriktionen im Mobilfunkbereich dazu beigetragen, dass sich die Stimmung für Zykliker vom einen auf den anderen Tag deutlich verbessert hat. Denn Optimisten sehen darin ein deutliches Signal des Entgegenkommens, Skeptiker eher taktisches Geplänkel. Im Hinblick auf die Präsidentenwahl in den USA im nächsten Jahr dürfte jedoch klar sein, dass großes Interesse daran besteht, eher früher als später die Unsicherheit über eine mögliche weitere Eskalation aus dem Markt zu nehmen.

Eine weitere Hoffnung für ein Comeback der Zykliker ruht auf der Geldpolitik der Zentralbanken. Zinssenkungen in den USA und im Euroraum scheinen ausgemachte Sache zu sein, um den Konjunkturmotor nicht absterben zu lassen. Wenn das nicht reichen sollte, wird wohl die Politik mit Fiskalmaßnahmen eingreifen. Denn jüngsten Presseberichten zufolge will die Bundesregierung die „schwarze Null“, also die Schuldenbremse, opfern, sofern eine Rezession droht. Mögliche zusätzliche Staatsausgaben dürften dann vor allem im Infrastrukturbereich getätigt werden, wovon in erster Linie zyk­lische Branchen profitieren würden.
Insgesamt betrachtet ist es sicherlich zu früh, um voll auf zyklische Werte zu setzen. Allerdings sollten Anleger, die auf eine gute Diversifikation ihres Portfolios Wert legen und Zykliker aktuell untergewichtet haben, reagieren. Eine ausgeglichenere Positionierung mit defensiven und zyklischen Sektoren erscheint zunehmend sinnvoll.