In den USA steigen die Zinsen, in Europa hofft man auf die Kraft der Notenbanken, die Krise zu meistern. Keine guten Aussichten für Gold. Trotzdem, Gold bleibt auch 2016 interessant, vielleicht nicht heute oder morgen, aber später.

Je höher die Zinsen, desto unattraktiver das Gold, besagt eine Faustregel. Oder, um es noch etwas plakativer auszudrücken: Steigende Zinsen sind Gift für Gold. Doch keine Faustregel ohne Wenn und Aber. Denn die Zinsen sind nur ein Faktor, der eine Anlage in Gold, das keine Zinsen abwirft, beeinflussen kann. Ebenso, vielleicht sogar noch mehr, ist das subjektive Sicherheitsgefühl der Investoren von Bedeutung, denn Gold war und ist auch immer ein Krisenmetall. In (scheinbar) schwierigen Zeiten, wenn Traditionelles und Gewohntes infrage steht, dann legen sich Menschen gerne Gold unter ihr Kopfkissen, in der stillen Hoffnung, dass man mit diesem Schatz auch in unruhigen Zeiten gut schlafen kann.

Doch den Einfuss der Zinsen auf den Goldpreis sollte man dennoch nicht unterschätzen. So ist es sicherlich kein Zufall, dass Gold ausgerechnet im Jahr 2011 seinen fulminanten Höhenflug beendete. Denn in diesem Jahr erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euroraum in zwei Schritten von 1,00 auf 1,50 Prozent. Über den Sinn und Zweck dieser Zinsaktion kann man viel streiten, dem Gold versetzte sie unterdessen den ersten kräftigen Schwerthieb. Der Preis für eine Unze fiel von fast 2.000 auf rund 1.600 US-Dollar.

Zinsspekulationen nehmen kein Ende.

Der zweite Schwerthieb kam dann im Jahr darauf. Zwar beteuerte die US-Notenbank, damals noch unter ihrem Chef Ben Bernanke, mehrfach, die Zinsen nicht anzuheben, doch gleichzeitig zeigte sie sich sehr zuversichtlich über die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Das ließ am Markt Zinsspekulationen aufkommen, die den Goldpreis massiv unter Druck brachten. Von 1.600 ging es runter auf unter 1.200 US-Dollar. Doch die Zinsspekulationen wollten auch in den folgenden Jahren nicht aufhören. Das brachte den Goldpreis weiter unter Druck, bis heute. Denn auch nach der Zinserhöhung im Dezember 2015 durch die US-Notenbank wird viel über weitere Schritte spekuliert. Denn es ist völlig unklar, ob die Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 Prozent die Eröffnung einer neuen Zinserhöhungsrunde darstellt oder nur ein „einmaliges“ Ereignis ist. Das hängt im Wesentlichen vom Fortgang der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA ab, und dieser ist sehr ungewiss.